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FFF-008: Buy and Hold – Warum Nichtstun manchmal die beste Börsenstrategie ist

Buy and Hold Strategie

Es gibt einen Satz, den man an der Börse immer wieder hört. Vor allem von den Klugscheißern im Umfeld, die jede Börsenbewegung schon immer kommen sahen.

„Ich nehme jetzt lieber erst einmal die Gewinne mit.“

Klingt vernünftig. Schließlich möchte niemand zusehen, wie mühsam aufgebaute Gewinne plötzlich wieder verschwinden.

Doch genau dieser Gedanke hat schon viele Anleger Rendite gekostet. Nicht weil der Verkauf grundsätzlich falsch wäre, sondern weil er oft aus einem einzigen Grund erfolgt: Angst.

Erinnern wir uns einmal zurück …

Vor einigen Monaten erreichten die Börsen neue Höchststände. Dann verschärfte sich die geopolitische Lage im Nahen Osten. Die Nachrichten wurden dramatischer – Militärschläge, Unsicherheit, Sondersendungen. Viele Experten warnten vor erheblichen Folgen für die Weltwirtschaft.

Die Börsen reagierten zunächst genau so, wie sie es in solchen Situationen häufig tun: Die Kurse gaben deutlich nach. Und plötzlich entstand bei vielen Anlegern derselbe Gedanke:

„Jetzt lieber verkaufen, bevor es noch weiter nach unten geht.“

Ganz ehrlich? Diesen Gedanken hatte vermutlich fast jeder Anleger schon einmal.

Und heute?

Nur wenige Monate später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Die Börsen haben sich erholt, viele Indizes und auch mein Depot notieren sogar viel höher als vor den geopolitischen Spannungen.

Wer damals einfach investiert geblieben ist und nichts getan hat, steht heute häufig besser da als derjenige, der in Panik verkauft hat. Denn nach dem Verkauf kommt sofort die nächste schwierige Frage:

Wann steige ich eigentlich wieder ein?

Und genau diese Frage ist oft deutlich schwieriger zu beantworten als die Entscheidung zu verkaufen.

Der zweite Fehler wird oft vergessen

Viele Anleger sprechen davon, Gewinne mitzunehmen. Was dabei häufig übersehen wird: Das Finanzamt möchte ebenfalls seinen Anteil.

Auf realisierte Kursgewinne fallen in Deutschland grundsätzlich die Abgeltungsteuer von 25 % sowie der Solidaritätszuschlag an. Wer kirchensteuerpflichtig ist, zahlt zusätzlich Kirchensteuer. Insgesamt ergibt sich – sofern der Sparer-Pauschbetrag bereits ausgeschöpft ist – eine Steuerbelastung von rund 26 bis 28 %.

Das bedeutet: Erzielst du einen Gewinn von 10.000 Euro und verkaufst deine Position, bleiben dir – vereinfacht gerechnet – nur etwa 7.200 bis 7.400 Euro des Gewinns zur freien Wiederanlage. Der Rest fließt an den Staat.

Und genau dieser Betrag kann anschließend nicht mehr für dich arbeiten. Das wird erstaunlich oft unterschätzt. Denn wenn du einige Wochen oder Monate später wieder einsteigst, investierst du nicht mehr mit deinem ursprünglichen Kapital – du startest mit weniger Geld. Und genau dieses Geld fehlt dir anschließend über viele Jahre beim Zinseszinseffekt.

Buy & Hold klingt langweilig

Ist aber erstaunlich effektiv.

Ich investiere mittlerweile seit rund fünfzehn Jahren. Und wenn ich in dieser Zeit eines gelernt habe, dann dieses: Nicht jede Krise ist auch eine Verkaufschance. Ganz im Gegenteil.

Es wird immer Gründe geben, warum die Börsen angeblich dauerhaft fallen müssen. Mal ist es eine Finanzkrise, dann eine Pandemie, dann Inflation, dann steigende Zinsen, dann geopolitische Konflikte. Und irgendwann kommt garantiert die nächste Schlagzeile.

Wenn man auf den perfekten Zeitpunkt wartet, investiert man häufig gar nicht mehr.

Warum ich heute deutlich entspannter bin

Als ich 2010 mit dem Investieren begonnen habe, habe ich deutlich häufiger auf mein Depot geschaut. Jede größere Kursbewegung fühlte sich wichtig an.

Heute sehe ich das wesentlich entspannter. Nicht, weil ich Kursverluste plötzlich gut finde, sondern weil ich verstanden habe, dass Schwankungen ganz normal sind. Sie gehören zur Börse dazu. Und sie sind letztlich der Preis, den wir für langfristig attraktive Renditen bezahlen.

Verkaufen? Ja – aber aus den richtigen Gründen

Versteh mich bitte nicht falsch. Natürlich gibt es Situationen, in denen ein Verkauf sinnvoll ist: wenn sich ein Unternehmen fundamental verschlechtert, wenn sich die ursprüngliche Investmentidee verändert hat, oder wenn sich die persönliche Lebenssituation ändert. Dann kann ein Verkauf absolut richtig sein.

Aber ich verkaufe heute nicht mehr, nur weil die Nachrichten gerade schlecht sind. Oder weil mein Depot innerhalb weniger Tage zehn Prozent verloren hat.

Ich stelle mir stattdessen immer eine einfache Frage:

Hat sich an meiner ursprünglichen Investmentidee etwas geändert?

Wenn die Antwort Nein lautet, mache ich meistens genau das: nichts.

Mein Fazit

Buy & Hold bedeutet für mich nicht, blind jede Aktie für immer zu behalten. Es bedeutet auch nicht, niemals Gewinne zu realisieren.

Für mich bedeutet Buy & Hold etwas anderes: gute Unternehmen und breit gestreute ETFs sorgfältig auswählen, sie zu einem vernünftigen Preis kaufen und ihnen anschließend Zeit geben. Denn Zeit ist an der Börse häufig der wichtigste Erfolgsfaktor – nicht hektisches Handeln, nicht tägliches Depot-Checking und schon gar nicht der Versuch, jede Krise vorherzusagen.

Manchmal ist die beste Entscheidung tatsächlich die einfachste: einfach investiert bleiben.

– Mr. Freeman

Freeman’s Gedanke:

Ich nehme Gewinne nicht mit, nur weil mein Depot gerade grün leuchtet.

Ich verkaufe nur dann, wenn sich meine ursprüngliche Investmentidee geändert hat.

Alles andere erledigt meistens die Zeit.

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