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FFF-006: „Ich würde ja gerne investieren … aber wie fängt man eigentlich an?“

aktiendepot mit fragezeichen

Es gibt eine Frage, die mir in den letzten Jahren immer wieder gestellt wurde. Nicht von Börsenprofis. Nicht von Menschen, die täglich Aktienkurse verfolgen. Sondern von ganz normalen Menschen – Freunden, Bekannten, Kollegen. Die Frage lautet fast immer gleich:

„Ich würde ja gerne investieren … aber wie fängt man eigentlich an?“

Und genau darum soll es hier gehen: wie ein Depot eröffnen für Anfänger wirklich abläuft – Schritt für Schritt, ohne Fachchinesisch.

Und ganz ehrlich? Ich kann diese Unsicherheit sehr gut verstehen. Denn sobald man anfängt zu googeln, landet man innerhalb weniger Minuten in einer Welt voller Fachbegriffe: TER, MSCI World, FTSE All World, physisch, synthetisch, Tracking Difference, ausschüttend, thesaurierend. Nach einer halben Stunde hat man das Gefühl, erst einmal ein Wirtschaftsstudium absolvieren zu müssen.

Die gute Nachricht: Musst du nicht.

Denn das größte Problem ist meistens nicht fehlendes Wissen, sondern die Informationsflut. Man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Dabei ist der Einstieg heute einfacher als je zuvor.

Der wichtigste Schritt ist nicht der ETF

Sondern überhaupt anzufangen.

Rückblickend war meine wichtigste Entscheidung nicht die Auswahl eines bestimmten ETFs, sondern überhaupt ein Depot zu eröffnen. Denn Geld kann nur arbeiten, wenn man es auch arbeiten lässt.

Schritt 1: Depot eröffnen für Anfänger

Ich selbst nutze seit vielen Jahren die Consorsbank und bin dort sehr zufrieden. Das ist keine Werbung – es gibt mittlerweile viele gute Banken und Broker. Wichtiger als die perfekte Bank ist, dass du überhaupt startest. Denn zwischen „Ich informiere mich noch ein bisschen.“ und „Mein erster Sparplan läuft.“ liegen bei vielen Menschen Monate oder sogar Jahre.

Wie läuft eine Depoteröffnung eigentlich ab?

Als ich mein erstes Depot eröffnet habe, hatte ich ehrlich gesagt das Gefühl, ich würde gleich irgendeinen komplizierten Finanzvertrag unterschreiben. Rückblickend war die Eröffnung wahrscheinlich einfacher als mein letzter Handyvertrag. Im Grunde läuft es bei fast allen Banken ähnlich ab:

1. Online-Antrag Du gibst deine persönlichen Daten ein – Name, Adresse, Steuer-ID – sowie ein paar Fragen zu deinen Erfahrungen mit Wertpapieren. Das dauert meistens nur wenige Minuten.

2. Identität bestätigen Anschließend bestätigst du deine Identität, entweder per VideoIdent oder PostIdent. Beim VideoIdent-Verfahren hältst du deinen Personalausweis in die Kamera und bestätigst ein paar Daten. Das Ganze dauert meistens weniger als zehn Minuten.

3. Zugangsdaten erhalten Nach wenigen Tagen bekommst du deine Zugangsdaten. Und plötzlich besitzt du ein Depot – ganz ohne Finanzstudium.

Depot und Verrechnungskonto – was ist eigentlich der Unterschied?

Diese beiden Begriffe haben mich am Anfang ehrlich gesagt etwas verwirrt, dabei ist die Erklärung ganz einfach.

Das Depot ist der Ort, an dem deine ETFs und Aktien liegen. Das Verrechnungskonto ist das Konto, über das alle Käufe und Verkäufe abgewickelt werden. Wenn du einen ETF kaufst, wird das Geld vom Verrechnungskonto abgebucht. Wenn du Dividenden erhältst oder Anteile verkaufst, landet das Geld zunächst wieder dort.

Du kannst dir das Verrechnungskonto einfach wie eine Geldbörse vorstellen, die direkt mit deinem Depot verbunden ist.

Wie kommt das Geld dorthin?

Ganz unkompliziert: per normaler Überweisung. Du überweist Geld von deinem Girokonto auf dein Verrechnungskonto. Sobald das Geld dort angekommen ist, kannst du investieren oder einen Sparplan ausführen lassen. Mehr steckt im Grunde nicht dahinter.

Schritt 2: Welchen ETF sollte ich wählen?

Jetzt kommt die Frage, über die viele Anfänger deutlich zu lange nachdenken.

Ich persönlich würde Einsteigern fast immer einen breit gestreuten Welt-ETF empfehlen. Warum? Weil du damit gleichzeitig in Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen investierst – nicht in eine einzelne Aktie, nicht in ein einzelnes Land, sondern in die Weltwirtschaft. Für den Einstieg halte ich das für den sinnvollsten Weg.

Worauf ich persönlich achte

Wenn ich heute einen ETF auswähle, schaue ich auf ein paar einfache Dinge:

  • Der ETF sollte möglichst physisch replizierend sein. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass der Fonds die Aktien tatsächlich besitzt.
  • Die Kosten sollten niedrig sein. Eine geringe Gesamtkostenquote (TER) macht sich langfristig bemerkbar.
  • Der ETF sollte ein ausreichend großes Fondsvolumen haben und schon einige Jahre am Markt sein.

Mehr muss man für den Einstieg aus meiner Sicht gar nicht wissen.

Kann ich mein ganzes Geld verlieren?

Das ist wahrscheinlich die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird – und gleichzeitig die, die viele Menschen am meisten vom Einstieg abhält.

Die Angst dahinter kann ich gut nachvollziehen. Niemand möchte am Ende dastehen und sein gesamtes Erspartes verloren haben. Genau diese Sorge ist auch einer der Hauptgründe, warum ich Einsteigern so oft zu ETFs statt zu Einzelaktien rate.

Bei einer einzelnen Aktie ist ein Totalverlust tatsächlich möglich – wenn ein Unternehmen insolvent geht, kann der Wert der Aktie im schlimmsten Fall auf null fallen. Bei einem breit gestreuten ETF sieht das ganz anders aus. Da du gleichzeitig in Hunderte oder Tausende Unternehmen investierst, müssten praktisch alle diese Unternehmen gleichzeitig pleitegehen, damit dein Investment komplett wertlos wird. Ein realistisches Szenario ist das nicht.

Hinzu kommt: Statistisch gesehen steigt die Börse langfristig, trotz aller Schwankungen, Krisen und Crashs zwischendurch. Wer sich die Entwicklung großer Weltindizes über Jahrzehnte anschaut, sieht zwischenzeitlich immer wieder deutliche Einbrüche – aber auch, dass sich der Trend danach jedes Mal wieder nach oben fortgesetzt hat.

Das bedeutet nicht, dass es keine Verluste geben kann. Phasen mit roten Zahlen gehören zum Investieren dazu, und wer sein Geld kurzfristig braucht oder in einer schlechten Phase panisch verkauft, kann durchaus Geld verlieren. Aber ein Totalverlust, wie er bei einer einzelnen Aktie theoretisch möglich ist, ist mit einem breit gestreuten ETF praktisch ausgeschlossen.

Genau das macht ETFs für den Einstieg aus meiner Sicht so beruhigend: Man muss keine Angst davor haben, mit einer einzigen Fehlentscheidung alles zu verlieren.

Und was ist mit Einzelaktien?

Mein eigenes Depot besteht seit vielen Jahren aus einer Mischung aus ETFs und Einzelaktien. Trotzdem würde ich Anfängern fast immer empfehlen, zunächst ausschließlich mit ETFs zu starten. Nicht weil Einzelaktien schlecht sind, sondern weil man zuerst lernen sollte, wie sich die Börse überhaupt anfühlt: steigende Kurse, fallende Kurse, Schwankungen, Emotionen.

Mit einem breit gestreuten ETF erlebt man all das deutlich entspannter. Einzelaktien können später jederzeit dazukommen.

Ein paar ETFs, die ich selbst im Depot habe (oder mir vorstellen könnte)

Damit das Ganze nicht zu abstrakt bleibt, will ich kurz ein paar konkrete ETFs nennen. Wichtig ist mir dabei: Das ist keine Kaufempfehlung und auch keine Anlageberatung, sondern lediglich ein Einblick, womit ich mich selbst beschäftige beziehungsweise womit ich mein eigenes Depot ausgestaltet habe. Jeder sollte selbst prüfen, ob ein ETF zur eigenen Strategie und Risikobereitschaft passt.

Die Kürzel vor den einzelnen ETFs sind übrigens die sogenannten Wertpapierkennnummern, kurz WKN. Über diese Nummer findest du jeden ETF ganz einfach wieder – egal ob in der Suche deiner Bank oder bei Vergleichsportalen wie justETF, oder direkt über die Suchfunktion auf der Seite deines Brokers. Du musst dir also keine komplizierten Fondsnamen merken, die WKN reicht völlig aus.

  • A0RPWH – iShares Core MSCI World (Acc): Ein breit gestreuter Welt-ETF mit über 1.300 Unternehmen aus zahlreichen entwickelten Ländern, physisch replizierend, thesaurierend, mit einer TER von 0,20 % pro Jahr. Für mich das klassische Fundament im Depot.
  • A0YEDG – iShares Core S&P 500 (Acc): Bildet die 500 größten US-Unternehmen ab, physisch replizierend, thesaurierend, mit einer besonders niedrigen TER von 0,07 % pro Jahr. Ein Klassiker für alle, die zusätzlich stärker auf den US-Markt setzen möchten.
  • A40L9T – iShares AI Infrastructure UCITS ETF (Acc): Ein deutlich spezielleres, thematisches Investment rund um Unternehmen aus dem Bereich KI-Infrastruktur, physisch replizierend, thesaurierend, TER 0,35 % pro Jahr. Erst Ende 2024 aufgelegt und damit noch ohne lange Historie – ein Beispiel dafür, wie ich neben dem breiten Fundament auch gezielter in einzelne Zukunftsthemen investiere.
  • A142N1 – iShares S&P 500 Information Technology Sector UCITS ETF (Acc): Konzentriert sich ausschließlich auf den Technologiesektor innerhalb des S&P 500, physisch replizierend, thesaurierend, TER 0,15 % pro Jahr. Deutlich fokussierter und damit auch schwankungsanfälliger als ein breiter Welt-ETF.

Man sieht an dieser Mischung ganz gut, wie unterschiedlich ETFs sein können: von sehr breit gestreut (MSCI World) bis sehr thematisch und fokussiert (KI-Infrastruktur, Technologiesektor). Für den Einstieg würde ich trotzdem immer wieder zuerst zu einem breiten Welt-ETF raten – alles andere kann später als Ergänzung dazukommen, wenn man möchte.

Schritt 3: Sparplan einrichten

Jetzt kommt aus meiner Sicht der wichtigste Teil. Nicht der ETF – der Sparplan.

Ob du 50 Euro, 100 Euro oder 500 Euro im Monat investierst, ist am Anfang gar nicht entscheidend. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit. Denn Vermögen entsteht selten durch eine einzige geniale Entscheidung. Vermögen entsteht häufig durch viele ganz normale Sparpläne, über viele Jahre.

So richtest du einen Sparplan bei der Consorsbank ein

Da ich selbst die Consorsbank nutze, kurz die Praxis dazu – bei anderen Banken läuft es meist sehr ähnlich ab.

  1. Zur Sparplan-Übersicht. Nach dem Login gehst du in deiner Kontoübersicht auf „Mein Konto & Depot“ und findest dort den Bereich „Sparplan“. Über „Neuen Sparplan anlegen“ startest du die Einrichtung.
  2. ETF auswählen. Hier gibst du entweder den Namen, die ISIN oder direkt die WKN deines gewünschten ETFs ein – zum Beispiel eine der WKNs aus meiner Liste weiter oben.
  3. Sparrate und Intervall festlegen. Du entscheidest, wie viel Geld monatlich (oder in einem anderen Rhythmus) investiert werden soll und an welchem Tag der Sparplan ausgeführt wird. Bei der Consorsbank sind Sparpläne schon ab 25 Euro im Monat möglich.
  4. Kostendokumente bestätigen. Dir werden die gesetzlich vorgeschriebenen Kosteninformationen sowie die Verkaufsunterlagen zum ETF angezeigt. Ein Häkchen genügt, um zu bestätigen, dass du sie erhalten hast.
  5. Sparplan bestätigen. Zum Schluss prüfst du noch einmal alle Angaben und bestätigst den Auftrag. Ab dem nächsten Ausführungstermin läuft dein Sparplan automatisch.

Der ganze Vorgang dauert in der Praxis nur wenige Minuten – und lässt sich jederzeit über dieselbe Übersicht wieder anpassen oder pausieren.

Der eigentliche Vorteil eines Sparplans liegt aber noch woanders: Du automatisierst damit dein stetiges Sparen. Einmal eingerichtet, läuft er einfach im Hintergrund – Monat für Monat wird automatisch der festgelegte Betrag investiert, ganz ohne dass du jedes Mal selbst aktiv werden oder an den richtigen Zeitpunkt denken musst. Du musst dich im Endeffekt um nichts mehr kümmern. Genau das nimmt vielen Menschen die größte Hürde beim Investieren: die eigene Disziplin.

Das Beste daran: Du bleibst jederzeit flexibel

Ein Punkt wird meiner Meinung nach viel zu selten erwähnt: Ein ETF-Sparplan ist keine lebenslange Verpflichtung. Du kannst deinen Sparplan jederzeit erhöhen, reduzieren, pausieren oder komplett löschen – ganz ohne komplizierte Kündigungen oder lange Vertragslaufzeiten. Und wenn du dein Geld brauchst, kannst du deine ETF-Anteile selbstverständlich auch jederzeit verkaufen.

Genau diese Flexibilität gefällt mir persönlich so gut. Es ist eben keine Versicherung, bei der man sich für Jahrzehnte bindet oder Angst vor hohen Kündigungskosten haben muss. Du behältst jederzeit die Kontrolle über dein Geld. Und genau so sollte es meiner Meinung nach auch sein.

Mein Rat

Wenn ich heute noch einmal komplett bei null anfangen müsste, würde ich wahrscheinlich innerhalb von 30 Minuten mein erstes Depot eröffnen. Nicht weil ich heute mehr weiß, sondern weil ich heute weiß, welche Dinge am Anfang völlig unwichtig sind.

Du musst nicht den perfekten ETF finden. Du musst nicht jede Kennzahl verstehen. Du musst nicht den Markt schlagen.

Du musst einfach anfangen. Der Rest kommt mit der Zeit – genau wie bei fast allen Dingen im Leben.

Wenn du dich fragst, warum ich das Ganze überhaupt mache: Die Hintergründe dazu findest du in meinem Beitrag zur Freiheitspyramide. Dort geht es genau darum, warum Depot eröffnen für Anfänger der erste Schritt zu mehr finanzieller Freiheit sein kann.

– Mr. Freeman

Freeman’s Gedanke:

Du musst heute keine perfekte Entscheidung für die nächsten 30 Jahre treffen.

Du musst nur den Mut haben, den ersten Schritt zu gehen. Alles andere kannst du unterwegs anpassen.

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