FFF-013: Warum ich kaum noch ins Restaurant gehe – Wenn Essen gehen seinen Zauber verliert
Früher bin ich unglaublich gerne essen gegangen. Ein gemütlicher Abend, gutes Essen, ein kaltes Bier, nette Gespräche, kein Stress. Für mich waren Restaurantbesuche immer ein kleines Stück Lebensqualität.
Heute sieht das leider anders aus. Nicht, weil ich plötzlich geizig geworden bin – ich gebe mein Geld nach wie vor gerne aus, nur eben ungern für Dinge, die diesen Namen nicht verdienen. Sondern weil ich immer häufiger das Gefühl habe, dass Preis und Leistung sich mittlerweile aus den Augen verloren haben.
Essen gehen war einmal etwas Besonderes
Ich erinnere mich noch gut daran, wie man sich früher auf einen Restaurantbesuch gefreut hat. Man ließ sich verwöhnen, der Service war aufmerksam, das Essen wurde frisch zubereitet. Man blieb sitzen, unterhielt sich und genoss einfach den Abend, ganz ohne innere Uhr, die mitläuft.
Heute fühlt sich vieles irgendwie anders an. Fast schon wie ein anderes Hobby mit demselben Namen.
Teurer geworden? Absolut.
Dass Restaurants ihre Preise erhöhen mussten, kann ich sogar verstehen. Lebensmittel sind teurer geworden, Energie ebenfalls, auch Personal kostet mehr. Viele Gastronomen kämpfen ums Überleben. Das ist mir völlig bewusst, und dafür habe ich durchaus Verständnis.
Nur leider ist gleichzeitig noch etwas anderes passiert, wofür ich deutlich weniger Verständnis habe: Die Preise sind kräftig gestiegen – laut Statistischem Bundesamt deutlich stärker als die allgemeine Inflation –, die Qualität ist meistens nicht mitgekommen. Teilweise habe ich sogar den Eindruck, sie ist auf dem Rückweg, während die Preise munter weiter nach oben klettern.
Ein Beispiel, das mir noch gut im Kopf geblieben ist: Im Block House, wo ich zwischendurch gerne mal hingegangen bin, sind mir irgendwann die Steaks aufgefallen – sie wurden gefühlt von Besuch zu Besuch kleiner. Vor rund zwei Jahren stand dann tatsächlich ein kleines Kärtchen auf dem Tisch, das die Erklärung gleich mitlieferte: Um die Preise stabil zu halten, habe man die Steaks verkleinert. Zumindest ehrlich, muss man sagen. Aber eben auch ein hübsches Beispiel dafür, dass am Ende doch irgendwo gespart wird – nur eben nicht am Preis, sondern am Teller.
Convenience statt Küche – und Personal ohne Zeit zum Lernen
Natürlich gibt es noch hervorragende Restaurants, zum Glück, sie sind nur inzwischen fast schon eine kleine Trophäe, die man stolz herumzeigt, wenn man eines gefunden hat. Viel häufiger habe ich aber den Eindruck, dass in vielen Küchen kaum noch selbst gekocht wird. Der Pizzateig kommt fertig geliefert, die Soßen ebenfalls, Desserts werden nur noch aufgetaut. Und vieles schmeckt einfach beliebig, wie eine Kopie einer Kopie eines Gerichts, das irgendwann mal gut war.
Man sitzt dort, isst den ersten Bissen und denkt sich: „Ganz ehrlich? Das bekomme ich zu Hause besser hin.“
Ein schönes Beispiel ist die Pizzeria bei mir um die Ecke. Eine Pizza ist eigentlich eines der einfachsten Gerichte überhaupt: ein guter selbst gemachter Teig, frische Tomatensoße, hochwertiger Mozzarella, ein paar gute Zutaten. Mehr braucht es wirklich nicht, das schafft man notfalls mit drei Zutaten und schlechter Laune. Trotzdem schmeckt die Pizza dort verlässlich nach Fertigprodukt. Und genau das finde ich schade.
Ich glaube, das hat auch mit dem Personal zu tun. Wer beim Gehalt spart, bekommt selten die Leute, die Zeit und Lust haben, ein Handwerk wirklich zu lernen – warum sollte man sich auch die Mühe machen, einen Pizzateig gehen zu lassen, wenn man den Job in drei Monaten sowieso wieder wechselt? Wenn Service und Küche schlecht bezahlt werden, fehlt am Ende oft genau das, was einen Restaurantbesuch ausmacht: geschultes Personal, das sein Fach versteht und mit Leidenschaft dabei ist. Das ist keine Kritik an den einzelnen Mitarbeitern, die meistens ihr Bestes geben – sondern an einem System, das offenbar zu oft am falschen Ende spart.
Auch die Stimmung hat sich verändert
Es ist nicht nur das Essen. Auch die Atmosphäre fühlt sich mittlerweile oft anders an. Viele Menschen wirken irgendwie angespannter, irgendwie verbissener, mit einer Sorgenfalte auf der Stirn, als würden sie nebenbei eine Steuererklärung im Kopf durchrechnen. Und das betrifft längst nicht nur die fremden Gäste am Nachbartisch. Wenn ich ehrlich bin, fällt mir das inzwischen sogar im eigenen Bekanntenkreis auf, mit dem ich essen gehe. 😉
Diese Lockerheit, die einen Restaurantabend früher so angenehm gemacht hat, fehlt zunehmend – bei Gästen genauso wie manchmal beim Personal. Ein entspannter Abend lebt eben nicht nur vom Essen, sondern auch von der Stimmung im Raum. Und genau die scheint mir insgesamt ein Stück verloren gegangen zu sein.
Lauwarmes Bier für Premiumpreise
Noch mehr wundere ich mich manchmal über die Getränkepreise. Ein kleines Glas Wein für 9,50 Euro, das man eher aus Höflichkeit als aus Genuss trinkt. Ein Bier für fast fünf Euro, das eher Zimmertemperatur als Zapftemperatur hat und dabei so tut, als wäre das Absicht.
Da fragt man sich irgendwann schon, ob das wirklich noch angemessen ist. Nicht, weil ich grundsätzlich kein Geld ausgeben möchte, sondern weil ich für diese Preise einfach auch eine entsprechende Qualität erwarte – und nicht nur ein Etikett mit ambitioniertem Preisschild.
Und dann kommt der Zeitslot
Was mich inzwischen fast noch mehr stört, ist ein neuer Trend. Man reserviert einen Tisch und bekommt direkt gesagt: „Sie haben den Tisch für zwei Stunden.“ Fast wie im Parkhaus, nur dass man am Ende nicht fürs Überziehen nachzahlt, sondern höflich gebeten wird zu gehen.
Gerade in Hamburg scheint das inzwischen völlig normal geworden zu sein. Ich verstehe natürlich, warum Restaurants das machen – je öfter ein Tisch am Abend neu besetzt wird, desto höher der Umsatz. Betriebswirtschaftlich ergibt das durchaus Sinn.
Als Gast fühlt es sich allerdings oft genau gegenteilig an. Man sitzt gemütlich zusammen, unterhält sich, möchte vielleicht nach dem Essen noch ein paar Bier bestellen – und plötzlich schaut man verstohlen auf die Uhr, weil der Tisch gleich wieder vergeben ist. Gemütlichkeit mit Countdown. Das hat für mich schon fast etwas Sportliches, nur ohne den Spaß daran.
100 Euro sind schnell weg: Was Restaurantbesuche heute kosten
Gehen zwei Personen heute essen, ist die 100-Euro-Marke oft schneller erreicht, als man denkt. Zwei Hauptgerichte, zwei Getränke, vielleicht noch ein Dessert oder ein Glas Wein. Fertig, und man hat dafür nicht einmal besonders lange am Tisch sitzen dürfen.
Natürlich kann man sagen: „Dann geh eben nicht mehr essen.“ Und genau das mache ich mittlerweile tatsächlich, meistens ganz ohne schlechtes Gewissen.
Missversteht mich nicht: Für einen wirklich netten Restaurantbesuch gebe ich das Geld nach wie vor sehr gerne aus. Aber dann müssen die genannten Punkte – Qualität, Service, Atmosphäre – auch halbwegs stimmen, und nicht nur die Rechnung am Ende.
Wer mehrmals im Monat essen geht, sagen wir vier- oder fünfmal, landet über den Daumen gepeilt schnell bei 400 bis 500 Euro. Im Monat, wohlgemerkt. Und genau dieses Geld lässt sich wunderbar in die eigene Küche investieren – oder eben in einen ETF, der einem langfristig deutlich mehr zurückgibt als ein lauwarmes Bier zum Premiumpreis.
Ich koche lieber selbst
Das Verrückte ist: Mir fehlt inzwischen gar nichts. Im Gegenteil. Ich habe wieder angefangen, deutlich mehr selbst zu kochen – mit frischen Zutaten, ohne Fertigprodukte, ganz nach meinem Geschmack, und ohne dass mir jemand nach zwei Stunden höflich den Tisch unter dem Teller wegzieht.
Und häufig stelle ich fest: Es schmeckt nicht nur besser. Es ist meist auch gesünder. Und deutlich günstiger. Das Geld, das ich früher regelmäßig im Restaurant ausgegeben habe, wandert heute oft ins Depot – oder direkt in gutes, selbst gekochtes Essen. Beides ist für mich eine wunderbare Anlage: das eine in Aktien, das andere in Lebensqualität auf dem eigenen Teller. Beides schlägt eine lauwarme Cola für fünf Euro um Längen. Im Grunde ist das dieselbe Frage, die ich mir auch beim Thema Konsum und Status schon gestellt habe: Bekomme ich hier wirklich einen Gegenwert – oder zahle ich nur für den Schein?
Die eigentliche Frage
Ich glaube, viele Menschen gehen aus Gewohnheit essen. Weil man es eben schon immer so gemacht hat, ohne die Rechnung wirklich zu hinterfragen. Ich habe mir irgendwann eine andere Frage gestellt:
Bekomme ich dort wirklich etwas, das ich zu Hause nicht selbst machen könnte?
Wenn die Antwort Ja lautet, gehe ich sehr gerne essen. Wenn mich das Essen überrascht, wenn der Service hervorragend ist, wenn ich merke, dass mit Leidenschaft gekocht wird – dann zahle ich auch gerne 100 Euro. Vielleicht sogar mehr, und ganz ohne dabei innerlich mitzurechnen.
Wenn die Antwort allerdings Nein lautet, spare ich mir das Geld lieber. Nicht aus Geiz, sondern weil ich den Mehrwert einfach nicht mehr sehe – wozu für eine mittelmäßige Kopie bezahlen, wenn ich das Original selbst hinbekomme?
Mein Fazit
Ich glaube nicht, dass Restaurants grundsätzlich schlechter geworden sind. Es gibt nach wie vor großartige Köche und wunderbare Gastgeber, man muss nur inzwischen etwas mehr suchen als früher. Aber ich habe den Eindruck, dass gute Gastronomie heute schwerer zu finden ist als noch vor einigen Jahren.
Vielleicht sind auch meine Ansprüche gestiegen. Vielleicht koche ich inzwischen einfach selbst zu gerne. Oder vielleicht ist es tatsächlich eine Mischung aus höheren Preisen, sinkender Qualität, schlecht bezahltem Personal und weniger echter Gastfreundschaft. Wie auch immer: Für mich hat Essen gehen ein gutes Stück seiner Magie verloren.
Und genau deshalb freue ich mich inzwischen fast mehr auf einen gemütlichen Kochabend zu Hause als auf den nächsten Restaurantbesuch – zumindest muss ich mir dort selbst keinen Zeitslot geben.
Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder ganz andere?
Schreibt eure Meinung und eure Erlebnisse gerne in die Kommentare – ich bin gespannt auf eure Sichtweise und freue mich auf den Austausch!
Freeman’s Gedanke:
Geld auszugeben ist nicht das Problem. Schwierig wird es erst, wenn der Gegenwert immer kleiner wird.
Ich zahle gerne für Qualität. Für Leidenschaft. Für echtes Handwerk.
Aber wenn ich nach einem Restaurantbesuch denke: „Das hätte ich zu Hause besser hinbekommen.“
Dann war es vielleicht nicht das Essen, das zu teuer war. Sondern einfach sein Geld nicht wert.




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